Lehrstuhl für Gründungs- und Innovationsmanagement

Forschungsgebiete

Forschungsschwerpunkte

In unserer theoriebegeleiteten und gleichzeitig empirischen Forschungsausrichtung gilt unser Interesse primär dem Auf- und Ausbau von technologiebasierten Unternehmen unter besonderer Berücksichtigung der wertorientierten Gestaltung von Netzwerken. Wir haben derzeit dieses grundsätzliche Forschungsziel in sechs Forschungsschwerpunkte unterteilt. Die dabei angestrebten Untersuchungen werden durch die Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern und den Vergleich mit Kollegen an Partneruniversitäten im In- und Ausland bereichert.

1. Wachstum und Etablierung von Spin-offs aus öffentlichen Forschungseinrichtungen

Junge technologiebasierte Unternehmen (JTU) können einen bedeutenden Beitrag zur Schaffung von Arbeitsplätzen, Innovation und regionalem Wohlstand leisten. Diese wünschenswerten Effekte setzen jedoch voraus, dass es dem JTU gelingt, seine Technologie in marktfähige Produkte bzw. Dienstleistungen umzusetzen und sich in industrielle Wertschöpfungsketten zu integrieren. Im Falle von Spin-offs aus Forschungseinrichtungen stellt dies aufgrund von Besonderheiten der Kerntechnologie und des Gründers eine besondere Herausforderung dar. Hinsichtlich der Technologie deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass Lizenzen an Spin-offs jüngere Technologien mit einem breiteren industriellen Anwendungsspektrum sowie weniger Bezug zu bestehendem technologischen Wissen betreffen als Lizenzen an etablierte Unternehmen. Die Entwicklung junger, radikaler Technologien und die Vermarktung technologiebasierter Produkte sind jedoch mit hohen Unsicherheiten behaftet. So ist bei Technologietransfer aus öffentlicher Forschung und speziell bei technology push-Innovationen, die Spin-offs verfolgen, oft zunähst unklar, wer von der Technologie am meisten profitiert und in welcher Form potentielle Kunden an der Technologie interessiert sind. Neben diesen technischen Schwierigkeiten stehen dem kommerziellen Erfolg des Spin-offs fehlende Industrie- und Managementerfahrung sowie die aufgrund ihres wissenschaftlichen Hintergrundes oft geringe marktorientierte Denkweise der Gründer entgegen. 

Am Lehrstuhl wird untersucht, welche Eigenschaften eine Technologie für eine Ausgründung geeignet machen, unter welchen Rahmenbedingungen sie in erfolgreiche Produkte umgesetzt werden kann und wie Verhaltenweisen des Gründers sowie unterschiedliche Unternehmensstrategien dazu beitragen. Die Einsichten fliegen in Beratungsprojekte mit gründungswilligen Wissenschaftlern aus der CAU ein, die ihrerseits zusammen mit Erfahrungen aus der Begleitung von Ausgründungen durch den Lehrstuhl zur Weiterentwicklung theoretischer Erkenntnisse beitragen.      

2. Entwicklung von Netzwerk-Kompetenz

Akademische Spin-offs sind zur Realisierung von Wachstumszielen auf die erfolgreiche Integration in industrielle Wertschöpfungsketten angewiesen. Damit einher geht die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit externen Partnern. Diese Netzwerkpartner ermöglichen ihnen, z.B. den schnellen, effektiven und unkomplizierten Zugang zu komplementären technischen Know-how, zu Marktinformationen, zu potentiellen Kunden oder zu günstigem Kapital. Wertschöpfende Netzwerke entstehen jedoch nicht von selbst. Vielmehr birgt die Zusammenarbeit mit externen Partnern mitunter auch Risiken und kann mit konkreten Nachteilen verbunden sein. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass besonders erfolgreiche Unternehmen spezielle organisationale Routinen bzw. Fähigkeiten zur Gestaltung, Nutzung und Pflege ihres Netzwerks ausbilden, die so genannte Netzwerk-Kompetenz. Bisher gibt es jedoch kaum umsetzbare Vorschläge, wie die Entwicklung von Netzwerk-Kompetenz gezielt gefördert werden kann.

In dem Forschungsprojekt wird der Frage nachgegangen, welche Maßnahmen das Management ergreifen kann, um Netzwerk-Kompetenz aufzubauen. In einem longitudinalen Design wird die Entwicklung von Netzwerk-Kompetenz am Beispiel von akademischen Spin-offs empirisch überprüft.

3. Gewinnung von Marktinformationen in akademischen Spin-offs

Akademische Spin-offs sind eine wichtige Form des Technologietransfers aus öffentlicher Forschung und stellen einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor in wissensbasierten Ökonomien dar. Gleichermaßen müssen diese Unternehmen bei Gründung besondere Herausforderungen bewältigen. Zum einen mangelt es den Wissenschaftlern, die sich in dem Spin-off selbstständig machen, oft an betriebswirtschaftlichem Know-how und einer marktorientierten Denkweise. Zum anderen befindet sich die im Spin-off verwendete Technologie häufig in einem frühen Entwicklungsstadium, d.h. weit entfernt von einer erfolgreichen Kommerzialisierung. Der Einsatz klassischer Marktforschungsmethoden ist vor diesem Hintergrund nur bedingt zur Gewinnung realistischer Daten geeignet. So treten viele Spin-offs in Märkte ein, ohne Anwenderbedürfnisse und Marktpotentiale ausreichend zu berücksichtigen, und scheitern. Erfolgreiche Spin-offs lernen dagegen frühzeitig über Marktanforderungen und lassen die gewonnenen Erkenntnisse in ihre Geschäftstätigkeit einfließen. Bisher ist unklar wie diese Lernprozesse ablaufen und wie erfolgreiche Spin-offs besser lernen als nicht-erfolgreiche. In dem Forschungsprojekt soll daher untersucht werden, wie akademische Spin-offs über Märkte und Anwenderbedürfnisse lernen müssen, um ihre Technologie in marktfähige Produkte umzusetzen und wie dieses den Erfolg der Spin-offs beeinflusst.

4. Kooperationen junger Technologieunternehmen mit Wettbewerbern

Verkürzte Innovationszyklen und globaler Wettbewerb stellen hohe Ansprüche an die Geschwindigkeit und die Flexibilität junger Technologieunternehmen. Entrepreneurs bietet sich die M�lichkeit, in Allianzen oder in Strategischen (Kompetenz)-Netzwerken mit Wettbewerbern den Anforderungen im internationalen Wettbewerb zu begegnen. Derartige Kooperationen ermöglichen jungen Technologieunternehmen einerseits den Zugang zu komplementären, vielleicht einzigartigen Ressourcen, verheißen aufgrund überdurchschnittlicher Lernerfolge nachhaltige Wettbewerbsvorteile und erlauben den beteiligten Unternehmen eine schnelle Anpassung an dynamische Umwelt- und sich verändernde Marktbedingungen. Andererseits beinhalten sie jedoch ein gesteigertes Risiko, da der Anreiz für den Partner, sich opportunistisch zu verhalten, aufgrund der wettbewerblichen Situation besonders hoch ist. Das Forschungsprojekt geht der Frage nach, welche Einflussmöglichkeiten das Top-Management besitzt, bei der Zusammenarbeit mit einem Wettbewerber positiv auf die Wertschöpfung einzuwirken, und welche Rolle Relationale Normen als zentrale Transmissionsmechanismen der gesetzten Managementimpulse bzw. als eigenständige Governance-Instrumente in dieser Beziehung spielen. Normen als unausgesprochene Regeln und Standards, die wenigstens teilweise von einer Gruppe von Entscheidungsträgern geteilt werden, steuern das Verhalten in Gruppen und helfen, zwischen akzeptablem und unakzeptablem Verhalten der Gruppenmitglieder zu unterscheiden. In Coopetitionen bestimmen sie als Muster erwarteten Verhaltens die Logik der gegenseitigen Interaktionen.

5. Personelle und situative Einflüsse auf die Gründungsintention von Akademikern

Das politische und wirtschaftliche Interesse an Unternehmensgründungen aus deutschen Hochschulen ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Während sich die Politik hiervon neue Arbeitsplätze und eine gestärkte internationale Wettbewerbsfähigkeit verspricht, profitieren Unternehmen von einem Zugang zu neuen Technologien. Aus diesem Grund wurden staatliche Förderinitiativen wie das EXIST-Programm mit dem Ziel ins Leben gerufen, an Universitäten und Fachhochschulen unternehmerische Persönlichkeiten auszubilden und zu fördern. Das langfristige Ziel von EXIST, die Anzahl der Unternehmensgründungen durch Hochschulangehörige zu erhöhen, wirft dabei die Frage auf, inwiefern eine Hochschule überhaupt potentielle UnternehmerInnen pr�en kann und inwiefern unabhängig davon personenbezogene Einflüsse für die Wahl einer beruflichen Selbstständigkeit entscheidend sind.

Die bisherige Gründungsforschung konzentrierte sich innerhalb dieser Fragestellung einerseits ex-ante auf die Entstehung einer Gründungsintention bei Studierenden und andererseits ex-post auf Ursachen für die Gründungsentscheidung von Unternehmern bzw. auf Unterschiede zwischen Unternehmern und Nicht-Unternehmern. Eine zentrale Rolle in empirischen Studien spielten diverse personenbezogene Faktoren: die Leistungsmotivation; individuelle Persönlichkeitsmerkmale; Erfahrungen und Ausbildungswege; der Familienhintergrund; das Geschlecht sowie Einstellungen, wahrgenommene Kompetenzen und Kontrolle hinsichtlich einer unternehmerischen Tätigkeit. Auch hochschulbezogene Faktoren wie die Ausgestaltung der Gründungsinfrastruktur sowie wahrgenommene organisationale Unterstützung und Barrieren wurden untersucht. Wenig beleuchtet ist jedoch trotz der Themenrelevanz (Brockhoff und Tscheulin, 2000) das Zusammenspiel von personenbezogenen und hochschulbezogenen Einflüssen bei der Entstehung einer Gründungsabsicht (Lüthje und Franke, 2003). Dies ist das zentrale Anliegen eines Forschungsprojektes, das sich momentan in der Datenerhebungsphase befindet.         

6. Patentbewertung und Patentstrategien von Ausgründungen aus Forschungseinrichtungen

Ausgründungen aus Forschungseinrichtungen verfolgen in der Regel eine Differenzierungsstrategie, um mit bereits am Markt bestehenden Unternehmen zu konkurrieren. Dem so entstehenden Innovations-Wettbewerb liegt die jeweilige Kerntechnologie des Spin-Offs zu Grunde, welche somit einen wesentlichen Wettbewerbsfaktor für die Unternehmen darstellt. Dem Schutz der Kerntechnologie und des damit verbundenen geistigen Eigentums kommt bei diesen Unternehmen daher eine besondere Bedeutung zu. Dieser kann durch gesetzliche Schutzrechte erfolgen, insbesondere durch Patente.

Im Rahmen eines Forschungsprojekts soll daher untersucht werden, inwieweit die Kerntechnologie von Spin-Offs aus Forschungseinrichtungen sinnvoll durch Patente bzw. Patentstrategien geschützt werden kann und welche Einwirkungen auf den Erfolg der Unternehmen sich daraus ergeben.